Meine Arbeit beschäftigt sich mit der   Gewalt gesellschaftlicher Normalität.
Meine Malerei entwickelt sich aus der Auseinandersetzung mit Systemen von Anpassung, Ordnung und Selbstverständlichkeit. Mich interessiert, wie visuelle Strukturen Wahrnehmung organisieren und Verhalten prägen, ohne sich dabei direkt offensichtlich als Zwang zu offenbaren. Dabei spielt die Frage eine zentrale Rolle, wie sich die Strukturen an zeitgenössische Bildwelten anpassen und deren Ästhetiken - insbesondere glatte Oberflächen, digitale Perfektion und eine scheinbar permanente positive Grundstimmung - als visuelle Logik übernehmen und weiterführen.
Eine Werkgruppe entsteht aus strengen, konstruierten Bildlogiken. Geometrische Setzungen, glatte Oberflächen und scharfkantige Übergänge bilden ein geschlossenes System, in dem sich alle Elemente gegenseitig stabilisieren. Die Sonne fungiert dabei als zentrales Bezugssystem – nicht nur als permanenter Orientierungspunkt und Taktgeber, sondern auch als Instanz einer scheinbar konstant positiven Bildwelt, einer „sonnigen“ Daueraffirmation, wie sie aus digitalen Bildräumen und sozialen Medien vertraut ist. Diese ästhetische Heiterkeit wirkt nicht neutral, sondern strukturiert Wahrnehmung und setzt einen impliziten Maßstab von Glätte, Harmonie und Richtigkeit. Die Ordnung erscheint zunächst klar, harmonisch und nahezu selbstverständlich. Gerade diese Selbstverständlichkeit erzeugt ihre Wirkung: eine visuelle Stabilität, die nicht als Zwang auftritt, sondern als scheinbare Notwendigkeit von Form, Bild und Zusammenhang.
Eine zweite Werkgruppe verschiebt diese Logik in Richtung körperlicher Markierung. Überdimensionierte Pflaster treten als formale Eingriffe in Erscheinung, die zugleich schützen, verdecken und verweisen. Sie verweisen auf Zustände, ohne sie vollständig sichtbar zu machen, und halten damit eine Spannung zwischen Oberfläche und Abwesenheit offen. In ihnen wird sichtbar, dass Stabilisierung und Korrektur untrennbar mit Verletzbarkeit verbunden sind, auch wenn diese im Alltag häufig unsichtbar bleibt oder normalisiert wird.
Beide Werkgruppen folgen derselben Grundbewegung: Sie untersuchen, wie visuelle Ordnung entsteht, sich stabilisiert und als selbstverständlich erfahrbar wird. Bedeutung entsteht dabei nicht durch eindeutige Darstellung, sondern durch die Beziehung der Elemente innerhalb des Bildes – und durch die Spannung zwischen dem, was gezeigt wird, und dem, was dadurch vorausgesetzt wird.
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